Mittwoch, 30. November 2011

Keine Angst vorm veganen Backen!

Wenn mich jemand fragt, ob es schwierig sei, vegan zu leben, ist meine Antwort gespalten. An vielen Stellen ja (oder zumindest aufwändiger), an vielen aber auch nein. Auf eine Frage ist meine Antwort allerdings klar: "Ist es schwierig, vegan zu backen?" NEIN! Zu sehen, wie leicht man ohne Eier und Milch backen kann, hat mich eigentlich erst zum Veganismus gebracht.
Umso überraschter war ich in letzter Zeit, in verschiedenen Blogs und Foren zu lesen, wie viele tatsächlich mit dem veganen Backen ein Problem haben. Es war die zum Beispiel die Rede von verdorbenen Muffins oder ungenießbaren Kuchen.

Seitdem frage ich mich, wo da das Problem gelegen haben könnte. Meine Theorien:

1. Das Rezept war schlecht.
Durchaus möglich und im Prinzip die einfachste Lösung. Kann passieren. Einfach noch mal was anderes ausprobieren.

2. Das Rezept war schlecht veganisiert.
Bei mir führt es oft zu unbefriedigenden Ergebnissen, wenn ich einfach ein nicht-veganes Kuchenrezept veganisiere, indem ich die Eier durch irgendeinen Ersatz austausche. Der Everyday Chocolate Cake ist da eine rühmliche Ausnahme, aber wenn ich für Kuchen einfach die naheliegende Alternative Sojamehl verwende, wird der Teig oft sehr "dicht" und teilweise matschig. Daher bin ich zum Beispiel Rührkuchenrezepten mit Sojamehl gegenüber grundsätzlich sehr skeptisch. Mein persönlicher Favorit sind "von Grund auf" vegane Rezepte, ein tolles Beispiel hierfür ist "Vegan Cupcakes Take Over the World". Bei Rezepten, die ich im Internet finde, schaue ich meist, ob es dazu Bewertungen gibt. Im Zweifel gilt für mich: Hände weg. Und gerade, wenn man sich mit dem veganen Backen noch nicht so sicher ist, sollte man vielleicht erst einmal auf eigene Experimente verzichten und auf Bewährtes zurückgreifen, zum Beispiel auf diesen Russischen Zupfkuchen. Das Rezept wurde jetzt schon vielfach ausprobiert (längst nicht nur von mir!), und ich habe noch nichts Negatives darüber gelesen. Oder aber man steigt mit Keksen und Plätzchen ein, Näheres weiter unten.

3. Kuchen mit Öl schmecken anders als solche mit Butter/Margarine.
Meiner Meinung nach wird diesem Punkt zu wenig Beachtung geschenkt. Viele vegane Rezepte verwenden Öl statt Margarine - was gut ist, finde ich. So umgeht man zum einen das Palmfettproblem und kann zum anderen gesundes Rapsöl verwenden. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass sich dadurch natürlich auch die Konsistenz des Kuchens ändert. Ein gutes Beispiel: der Kaffee-Gewürzkuchen. Mit Öl, sehr lecker, aber nicht mit der "klassischen" Kuchen-Konsistenz. Ebenfalls: dieser Marmorkuchen, mit Margarine, meiner Meinung nach von einem "normalen" Marmorkuchen nicht zu unterscheiden.

4. Sojageschmack liegt nicht jedem.
Leidvolle Erfahrung. Ich beneide immer alle, die tolle vegane Sahnetorten herstellen können, wie z. B. für Küchenfee von Veganpassion. Ich habe einmal diese Mokkatorte gemacht, die auch wirklich gut geschmeckt hat, aber danach habe ich mich von aufschlagbarer Sojasahne ferngehalten. Wer auch davon verschreckt wurde: Nicht aufgeben, es gibt auch genug Rezepte ohne! Und wer sie noch nicht probiert hat: Auf jeden Fall probieren! Es gibt auch sehr viele Leute, die die Sahne sehr gern mögen. Geschmackssache eben. Vielleicht ist eine Sojasahnetorte nur einfach nicht das beste Einsteigerrezept.

Und nicht zuletzt:
5. Das Rezept lag der Person einfach nicht.
Obwohl ich quasi mit dem Rührgerät in der Hand groß geworden bin (wer Beweisfotos braucht, ich kann sie gerne liefern!), gab und gibt es bei mir Rezepte, die einfach nicht klappen wollen. Das beschränkt sich aber nicht auf das vegane Backen. Von Zeit zu Zeit backe ich für meine Mutter vegetarisch, und normalerweise ist das kein Problem - bis auf einen einzigen Kuchen, der bei mir einfach nichts wird. Ich habe es mehrmals versucht, keine Chance. Am Rezept liegt es nicht, bei meiner Mutter wird er perfekt. Und bei einem bestimmten Apfelkuchen kann ich dasselbe Rezept (und auch denselben Ofen und alles) benutzen wie meine Schwester, er wird einfach nie so gut wie ihrer. Fazit für mich: Es gibt einfach Rezepte, die einem nicht liegen. Da kann man sich dann drüber ärgern, man kann es aber auch schlichtweg hinnehmen und etwas anderes backen. Die Auswahl ist ja groß genug.


Einsteigen mit Weihnachtsrezepten
Das klingt jetzt erst mal alles sehr negativ. So ist es aber nicht gemeint! Ich finde, bis auf Punkt 4 ist auch alles nicht nur auf das vegane Backen beschränkt. Man muss halt schauen, dass man Rezepte findet, die einem liegen und schmecken, ob jetzt mit oder ohne Ei.

Und wer sich jetzt zum ersten Mal dieser "Herausforderung" stellen möchte, liegt in der Weihnachtszeit goldrichtig. Kekse und Plätzchen (wie übrigens während des restlichen Jahres Cookies) sind meine Meinung nach ideale Einsteigerrezepte, weil sie nicht primär auf Eiern basieren (Makronen jetzt vielleicht mal ausgenommen) und oft auch gut ohne auskommen. Als Eiersatz würde ich hier gemahlene Leinsamen empfehlen: 1 EL Leinsamen mahlen (oder 2 EL gemahlene verwenden*) und in wenig in 3 EL Wasser quellen lassen. Ich habe keine passende Mühle und verwende meist geschrotete Leinsaat aus dem Supermarkt. Nicht optimal, aber hat bisher trotzdem tadellos funktioniert. Der Leinsamengeschmack kann allerdings recht stark sein, daher vielleicht (je nach Teigmenge) nur ein bis zwei Eier ersetzen und den Rest einfach weglassen.

Wer kein Problem mit der englischen Sprache hat und sich ein bisschen weiter in das Thema Eiersatz einlesen will, dem sei diese Seite empfohlen. Sie wurde von der Autorin von "Vegan Cupcakes Take Over the World" verfasst, was sie für mich sehr vertrauenswürdig macht, und bietet sehr detaillierte Infos dazu, wann welcher Eiersatz am besten verwendet werden kann.

Ich hoffe, dass das jetzt einigen von euch Mut gemacht hat, euch zum ersten Mal oder, falls ihr schon mal einen Misserfolg hattet und euch dann nicht mehr rangetraut habt, wiederholt im veganen Backen zu versuchen! Rezepte findet ihr nicht nur hier, sondern auf vielen der rechts verlinkten Blogs. Vielleicht ist ja auch mein Backwettbewerb zur Adventszeit, der noch bis nächste Woche läuft, ein schöner Ansporn? Eingereicht werden kann jegliche Art von veganer Weihnachtsbäckerei.

Euch allen noch eine schöne Woche!

Kommentare:

  1. Hey, da gebe ich dir recht! Ich würde nich hinzufügen, dass Backen auch echt Übungssache ist! Bei mir hats anfangs auch oft nicht hingehauen, weil ich kein Gefühl für Kosistenz des Teiges hatte und so...
    und es steht und fällt echt mit den Rezept! da hilft nur dranbleiben:-)!
    Liebe Grüße

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  2. Ich finde vegan backen sogar einfacher. Vorher wusste ich gar nicht, dass man bei den meisten Rezepten die Eier einfach weglassen kann. Kein Trennen, Aufschlagen oder Unterheben mehr :o)

    Natürlich liegt viel am Rezept. Wer noch nicht gut backen kann, sollte eben einfachere Sachen machen. Auswahl gibt es aber reichlich und ich konnte sogar meine skeptische Omi überzeugen ;o)

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  3. uund man kann den teig ohne eier problemlos roh essen ;)

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  4. vielleicht noch als Tip: Teige werden mit Alsan oft "trockener" als mit anderer Margarine. Da sollte man also drauf achten für was man den Teig macht. Wenn man Kekserl ausstechen will würde ich eine andere Margarine empfehlen, mit der der Teig geschmeidiger wird - für Brösel, Kuchenboden geht Alsan prima.
    lg

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  5. Der Beitrag ist wie für mich geschrieben, ich hab mich ja auch ein paar mal an veganem probiert und war nie so angetan, wie von den vegetarischen Sachen...
    Aber ich werde jetzt am Wochenende, vll sogar noch heute, den Marmorkuchen von dir ausprobieren, weil der ja mit Margarine ist und ich mit Öl ja auch nicht klar komme!

    Vielen Dank für die tolle Zusammenstellung : )

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  6. Der Beitrag kommt genau richtig, ich such mir nämlich gerade meine ersten veganen Guetzlirezepte raus um morgen mal die Sache anzugehen :-) Und ich werde Deinen Rat befolgen und wenn's nicht klappt einfach weiter probieren.

    PS: Du schreibst wirklich schön, so richtig aus dem Herzen raus. Ich werd Dich bei mir verlinken und vielleicht magst ja auch ab und zu bei mir vorbeischauen.

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  7. Etwas verspätet noch danke für eure zahlreichen Kommentare!

    @planetS: Was sind denn deiner Meinung nach "einfache" Rezepte? Ich tu mir da immer sehr schwer bei der Auswahl, weil Backen einfach mein Hobby ist und ich schlecht einschätzen kann, was andere als schwer empfinden.

    @Yvsa: Ja, da hast du Recht. Teilweise macht es die Sache wirklich leichter. Ich finde es vor allem praktisch, dass ich keine Eier mehr vorrätig haben muss.

    @Jana: Das hab ich allerdings vorher auch schon gemacht ;) Ist mir nie schlecht bekommen. Meine englische Gastfamilie war allerdings entsetzt.

    @TurboTofu: Diese Erfahrung habe ich noch nicht gemacht. Vielleicht kann man es ausgleichen, wenn man die Alsan schön weich werden lässt.

    @penny: Schade, dass es nicht so gut geklappt hat :( Der Kuchen sah sehr feucht aus, vielleicht hätte er noch länger drinbleiben müssen?

    @cheesy: Vielen Dank für das Kompliment! Es würde mich sehr interessieren, wie das Backen geklappt hat!

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